„Effizient heizen mit Strom“

Effizient heizen mit Strom verspricht so mancher Hersteller von Elektroheizungen. Können sie dieses Versprechen einlösen? Warum heizen wir dann nicht alle mit Strom?

Als Bausparer wird man sozusagen Zwangsabonnent einer Zeitschrift, die sich mit den Themen Heizung, Wohnen und Bauen beschäftigt. Diese Zeitschrift ist entweder als „Mein EigenHeim“ oder „Wohnen und Leben“ bekannt und vollgepackt mit Werbung, da die Auflage mit 1,7 Millionen Exemplaren fast so hoch ist wie die der BILD-Zeitung (ca. 2,1 Millionen). Mir fallen dabei immer wieder Annoncen ins Auge, in denen effizientes Heizen mit Strom beworben wird. Statt von Wärmepumpen ist dabei allerdings von einfachen Elektroheizungen die Rede. Es ist schon erstaunlich, wie die Unwissenheit der Leser mit den Anzeigen praktisch verspottet wird. Die Werbung kommt einer Verbrauchertäuschung schon recht nahe.

Da wirbt z.B. „wibo“ mit der Wärme-Effizienz-Heizung:

Nur ca. 1/3 der Heizzeit wird effektiv Strom benötigt

Und gleich danach:

Entspricht einem Rückgewinnungsfaktor von ca. 1:3 bei Wärmepumpen

Diese Angaben sind natürlich völlig sinnfrei.

Will man sein Heim heizen benötigt man Wärme(-energie). Diese Energie lässt sich durch das Verbrennen von Öl, Gas, Holz oder Kohle gewinnen. Andererseits kann man natürlich einfach Strom wieder in Wärme umwandeln. Das macht jedes elektrische Gerät, das man zu Hause betreibt (vom Staubsauger über den Backofen bis hin zum Fernseher). Das Problem ist, dass egal wie man heizt, man die gleiche Menge Energie braucht. D.h. ich muss entweder 15000 kWh Wärmeenergie durch das Verbrennen von Gas gewinnen oder eben 15000 kWh Wärmeenergie durch das verheizen von Strom. Dass die Elektroheizung nur in ca. 1/3 der Heizzeit wirklich Strom aus dem Netz benötigt ist dabei völlig irrelevant. Gastherme oder Ölkessel verbrennen ja auch nicht durchgängig Gas oder Heizöl während der Heizperiode. Und was das dann mit einem Rückgewinnungsfaktor bei Wärmepumpen zu tun haben soll, ist mir absolut schleierhaft.

Jetzt wird natürlich noch gerne behauptet, dass sich durch das Heizen mit Strom die Heizkosten senken lassen. Auch das ist ziemlich weit hergeholt: Eine kWh in Form von Strom kostet etwa 0,27 EUR (oder bei speziellen Tarifen etwas weniger). Eine kWh in Form von Gas oder Öl kostet hingegen nur etwa 0,06 EUR (bei einem Literpreis Öl von etwa 0,60 EUR). Das Geld, das man bei der Anschaffung der Elektroheizung vielleicht spart, gibt man im Betrieb schnell wieder aus. Nicht ohne Grund heizen die wenigsten Menschen mit Strom!

Auch wenn man die Effizienz betrachtet verliert die reine Elektroheizung und Energie wird damit nicht sparsam eingesetzt, wie es gerne behauptet wird. Um eine kWh Strom bereitzustellen, muss man z.B. Gas mit einem Energiegehalt von 2,5 kWh verbrennen (oder in ganz besonders effizienten GuD Gaskraftwerken 1,7 kWh). D.h. es ist etwa 1,7 – 2,5 mal so effizient, Gas zu Hause zu verbrennen und die Abwärme direkt zu nutzen, als das Gas erst zu verstromen und dann den Strom zu Hause zu verheizen! Auch die CO2-Bilanz spiegelt diesen Sachverhalt wider:

  • 1 kWh Wärme aus Strom verursacht 0,58kg CO2 Emission
  • 1 kWh Wärme aus Heizöl  verursacht 0,31 kg CO2 Emission
  • 1 kWh Wärme aus Gas verursacht 0,24 kg CO2 Emission

All das gilt natürlich nur für reine Elektroheizungen. Wärmepumpenheizungen machen hingegen durchaus Sinn! Diese nutzen nämlich eine kWh Strom, um daraus 3 kWh Wärme zu generieren, indem sie der Umwelt die Wärmeenergie entziehen. Wenn wir irgendwann nicht mehr wissen sollten, wohin mit all dem erneuerbaren Strom, dann macht es vielleicht Sinn, eine Elektroheizung zu betreiben. Aber ich glaube nicht, dass ich das noch miterleben werde…

Jetzt kannst Du Werbeaussagen von Herstellern wie wibo, EVO oder elektroflachheizung.de leichter durchschauen.

Ein Gedanke zu „„Effizient heizen mit Strom““

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.