Primärenergie und Endenergie — wo liegt der Unterschied?

Stellt man sich die Fra­ge nach der Sinn­haf­tig­keit einer ver­meint­lich ener­gie­spa­ren­den Inves­ti­ti­on, soll­te man zwi­schen Pri­mär- und End­ener­gie­be­darf unter­schei­den.  Was hat es mit die­sen Begrif­fen auf sich? Und wie viel davon ver­braucht der Durch­schnitts­deut­sche?

Endenergie und Endenergiebedarf

End­ener­gie bezeich­net, die Ener­gie die beim End­ver­brau­cher ankommt. Fol­gen­de Ener­gie­for­men fal­len unter den Begriff End­ener­gie:

  • Strom
  • Ben­zin oder Die­sel an der Tank­stel­le
  • Heiz­öl
  • Kero­sin für Flug­zeu­ge
  • Erd­gas für die Hei­zung
  • Fern­wär­me
  • Koh­le, die zu Hau­se zum Hei­zen benutzt wird
  • Holz, das zu Hau­se ver­brannt wird

End­ener­gie­be­darf bezeich­net den kom­plet­ten Bedarf aller Ver­brau­cher. Das schließt Haus­hal­te, Indus­trie, Gewer­be, Han­del, Dienst­leis­tungs­sek­tor, Berg­bau und Ver­kehr ein. 2013 betrug die­ser in Deutsch­land 31.500 kWh pro Per­son was einer mitt­le­ren Leis­tungs­auf­nah­me von 3.600 Watt pro Per­son ent­spricht. Jeder von uns hält sich sozu­sa­gen 36 Skla­ven, um sei­nen Lebens­stil füh­ren zu kön­nen. Fol­gen­de Gra­fik gibt den End­ener­gie­ver­brauch auf­ge­schlüs­selt nach Ener­gie­quel­le für den Durch­schnitts­deut­schen wie­der.

 

Die Gra­fik macht deut­lich, dass Strom nur 20% am End­ener­gie­ver­brauch aus­macht. Über 60% wer­den mit Öl und Gas gedeckt, die haupt­säch­lich für den Ver­kehr und Wär­me gebraucht wer­den. In den Medi­en ent­steht daher mei­ner Ansicht nach ein Zerr­bild, da die Ener­gie­wen­de meis­tens auf den Strom­be­darf bezo­gen wird, die­ser jedoch nur ein Fünf­tel des End­ener­gie­be­darfs aus­macht.

Primärenergie und Primärenergiebedarf

Es ist ein­leuch­tend, dass man für die Bereit­stel­lung einer gewis­sen Men­ge End­ener­gie mehr Ener­gie benö­tigt. Der Wir­kungs­grad von her­kömm­li­chen Kraft­wer­ken beträgt nie 100%. Lei­tun­gen für Fern­wär­me und Strom haben Über­tra­gungs­ver­lus­te. Öl muss geför­dert, trans­por­tiert und raf­fi­niert wer­den, bevor es als Ben­zin, Die­sel oder Heiz­öl beim Ver­brau­cher ankommt. Die Kon­se­quenz ist, dass der Pri­mär­ener­gie­be­darf mit 47.500 kWh bzw. 5.400 Watt Dau­er­leis­tung um 50% über dem End­ener­gie­be­darf liegt! Anders aus­ge­drückt gehen auf dem Weg vom Roh­stoff (z.B. Öl, Gas, Braun- und Stein­koh­le oder Atom­kraft) ein Drit­tel der ent­hal­te­nen Ener­gie in Form von Wär­me ver­lo­ren, bevor die­se beim Ver­brau­cher ankommt.

Fol­gen­des Ener­gie­fluss­dia­gramm stellt die Situa­ti­on in Deutsch­land dar. Da sich nie­mand etwas unter den übli­chen Ein­hei­ten wie Peta­joule oder Mil­lio­nen Ton­nen Stein­koh­le­ein­hei­ten vor­stel­len kann, habe ich die­se wie­der in kWh pro Per­son umge­rech­net, d.h. die Zah­len reprä­sen­tie­ren wie­der den Durch­schnitts­deut­schen.

Energieflussdiagramm von 2013. Zahlen sind in kWh pro Einwohner Deutschlands angegeben.
Ener­gie­fluss­dia­gramm von 2013. Zah­len sind in kWh pro Ein­woh­ner Deutsch­lands ange­ge­ben. Ori­gi­nal­bild von AG Ener­gie­bi­lan­zen.

Mit dem nicht­ener­ge­ti­schen Ver­brauch wird Öl und Gas bezeich­net, das in der che­mi­schen Indus­trie für die Her­stel­lung von Far­ben, Lacken, Wasch­mit­tel, Ver­pa­ckun­gen und vie­lem mehr ein­ge­setzt wird.

Es fällt auf, dass wir in Haus­hal­ten für Strom, Hei­zung und Warm­was­ser weni­ger als ein Drit­tel der End­ener­gie ver­brau­chen. Etwa gleich viel Ener­gie wird im Ver­kehr und in der Indus­trie benö­tigt.

Das Bild zeigt, dass für jede ein­ge­spar­te kWh End­ener­gie 1,5 kWh Pri­mär­ener­gie ein­ge­spart wird. Das ist aller­dings nur ein Mit­tel­wert. Für eine kWh Strom liegt der Pri­mär­ener­gie­be­darf mit 2,7 kWh pro erzeug­ter kWh Strom deut­lich dar­über. Eine kWh Strom zu spa­ren hat also einen stär­ke­ren Effekt auf den Pri­mär­ener­gie­ver­brauch, als eine kWh Wär­me ein­zu­spa­ren. Es ist daher sinn­vol­ler mit Heiz­öl oder Gas zu hei­zen als mit Strom.

2 Gedanken zu „Primärenergie und Endenergie — wo liegt der Unterschied?“

  1. Sind die ange­ge­be­nen 20,5% für el. Strom (6481 kWh pro Per­son und Jahr) nicht viel zu hoch ange­setzt? Ande­re Quel­len geben etwa 1500 kWh für el. Strom pro Per­son und Jahr an.

    1. Die 1500 kWh Strom pro Per­son und Jahr bezie­hen sich nur auf den Haus­halt. Dazu muss man dann noch den Strom hin­zu­ad­die­ren, der durch Infra­struk­tur, Büros, Geschäf­te, Fabri­ken, etc. ver­braucht wird. So kommt man schließ­lich zu der um Fak­tor 4 höhe­ren Strom­be­darf.

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