Verbrauchertäuschung bei der Stromkennzeichnung

Ich habe mich desöfteren gefragt, wie Strom aus erneuerbaren Energien eigentlich verkauft wird. Schließlich weist der Strommix eines jeden Stromanbieters einen hohen EEG-Stromanteil von mehr als 30% aus. Wie kommt mein Stromversorger an diesen EEG-Strom? Die Antwort ist ziemlich ernüchternd: Gar nicht! Stattdessen wird man als Verbraucher mit der Stromkennzeichnung in die Irre geführt.

Für Stromanbieter ist es verpflichtend, die Erzeugungsart des verkauften Stroms zu kennzeichnen und diese im Vergleich zum Bundesschnitt darzustellen. Leider sind diese Angaben irreführend und täuschen den Verbraucher über vermeintlich grünen Strom des eigenen Anbieters hinweg:

Täuschung 1: EEG-Strom als extra Posten

Die erste Irreführung ist, dass der EEG-Strom gesondert ausgewiesen wird. EEG-Strom wird an der Strombörse in Leipzig von den Übertragngsnetzbetreibern verkauft. Nur besteht dort das Problem, dass man als Käufer nicht zwischen Strom aus Kohle, Atom, Gas oder eben EEG-Anlagen unterscheiden kann. Die Strombörse erlaubt es also lediglich einen Strommix einzukaufen (Graustrom), der eben alles beinhaltet. Ein reiner Ökostromanbieter kann deshalb nie an der Strombörse einkaufen!

Täuschung 2: Anteil des EEG-Stroms im Bundesschnitt

Für 2014 geben die Stromanbieter einen EEG-Anteil an der deutschen Stromerzeugung von 24,6% an. Leider bezieht sich dies auf die Stromerzeugung – und nicht wie bei der Kennzeichnung des Anbietermix auf den Stromverbrauch. Würde man den deutschen Stromverbrauch heranziehen, so liegt der Anteil von EEG-Strom bei 26%, da mittlerweile ein nicht unerheblicher Teil des in Deutschland erzeugten Stroms exportiert wird.

Täuschung 3: Die Höhe des EEG-Anteils im Strommix Deines Anbieters

Interessanterweise beträgt die Kennzeichnung der Stromanbieter des EEG-Stromanteils für 2014 immer zwischen etwa 33 und maximal 37,7%. Das gilt sowohl für reine Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy als auch für den heimischen Versorger. Wie kann das sein? Im Bundesschnitt sind nur 24,6% des erzeugten Stroms EEG-Strom, also rein mathematisch ist da schon etwas mächtig faul..

Die Ursache ist, dass sich der Anteil des EEG-Stroms nach der EEG-Umlage richtet, die ein Stromanbieter von den Stromkunden erhalten und an die Übertragungsnetzbetreiber abgeführt hat. Die gezahlten Umlagen werden in den Strommix des Anbieters einfach eingerechnet. Dein Stromanbieter muss also rein gar nichts tun, um bei der Kennzeichnung trotzdem über 30% EEG-Stromanteil angeben zu können! Er muss insbesondere keine einzige kWh aus erneuerbaren Energien einkaufen. Der Anbieter könnte 100% Kohlestrom verkaufen und würde trotzdem 37,7% EEG-Strom in der Kennzeichnung angeben dürfen! Ein nettes Geschenk der Politik, um das Image einer ganzen Branche aufzupolieren. Auch reine Ökostromanbieter unterliegen dieser Kennzeichnungspflicht, obwohl diese sich direkt beim Stromerzeuger eindecken. Strom an der Börse einzukaufen ist in diesem Fall ausgeschlossen, da dort eben nur Graustrom zu haben ist.

Stromanbieter sind sich nicht einmal zu schade, diesen Umstand für Pressemitteilungen zu nutzen. Z.B. gibt Mainova 2012 damit an, 36% erneuerbare Energien im Strommix zu haben. Tatsächlich waren es jedoch nur 12%. Die restlichen 24% wurden dem Unternehmen durch die EEG-Umlage einfach gutgeschrieben, ohne einen Finger krumm machen zu müssen.

Täuschung 4: Aufschlüsselung von Graustrom

Da es an der Börse nur Graustrom zu kaufen gibt, weiß niemand so genau, wie sich der gerade eingekaufte Strom wirklich zusammensetzt. Stattdessen zieht man einfach Mittelwerte der deutschen Stromerzeugung heran. Die genaue Aufschlüsselung ist eigentlich gar nicht möglich.

Insgesamt wäre es bei der Kennzeichnung sinnvoller:

  1. Graustrom als Börsenstrom unbekannter Herkunft zu deklarieren
  2. den vom Stromanbieter selbst erzeugten Stromanteil auszuweisen (von dem man genau weiß, wie er sich zusammensetzt!) und
  3. den direkt beim Erzeuger eingekauften Strom aufzuführen (z.B. aus Wasserkraft). Hier lässt sich die Herkunft ebenfalls nachweisen.

So könnte sich ein Stromanbieter kein grünes Image ohne Engagement erschleichen und für den Verbraucher wäre mehr Transparenz bei dessen Strombeschaffung gegeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.