Was ist eigentlich eine kWh?

Dieser Blog-Eintrag soll eine ziemlich grundlegende Frage beantworten, da ich in Zukunft häufig die „kWh“ benutzen werde. Dieses Kürzel findet man stets auf Strom- und Gasrechnungen, aber was genau hat es damit eigentlich auf sich? Und was hat der Eiffelturm damit zu tun?

Bei einer kWh handelt es sich um eine Kilowattstunde – eine Maßeinheit für Energie. Mit Energie kann man etwas leisten bzw. arbeiten, wie z.B. einen Gegenstand bewegen, etwas erhitzen, abkühlen oder zum Leuchten bringen, einen Computer betreiben, sich ernähren sowie Denkarbeit leisten und vieles mehr. Eine kWh sind eigentlich 1000 Wattstunden (Wh), d.h. dass man muss entweder eine Stunde lang 1000 Watt (W) leisten, um eine kWh zu erbringen, oder 500 W zwei Stunden lang oder 100 W zehn Stunden lang usw. Die kWh ist also nichts anderes als das Produkt aus Leistung (Watt) mal Zeit (Stunden, also h). Auf die Arbeitswelt übertragen arbeitet der mehr, der in seinem achtstündigen Arbeitstag regelmäßig mehr leistet.

Was kann man mit einer kWh alles machen?

  • Ein Modell-Erwachsener hat einen Bedarf von 2000 kcal, wie es auf Lebensmittelpackungen zu lesen ist. Nun sind Kilokalorien aber nichts anderes als eine Energieeinheit, die man in kWh umrechnen kann. Dieser Modell-Erwachsene benötigt demnach am Tag 2,4 kWh bzw. kann sich mit einer kWh etwa 10 Stunden lang ernähren.
  • Ein 1300 kg schwerer Golf müsste mit 190 km/h fahren, um eine Bewegungsenergie von 1 kWh inne zu haben. Wenn man sich ausmalt, wie dieses Auto gegen eine massive Betonwand fahren würde und so praktisch die ganze Bewegungsenergie schlagartig umwandelt, bekommt man in etwa ein Gefühl dafür, dass eine einzige kWh eine ganze Menge Energie ist.
  • Wenn man den gleichen Golf auf die Spitze des Pariser Eiffelturm befördert, hat er eine Lageenergie von 1,15 kWh. Diese wird dann frei, wenn man das Auto aus dieser Höhe fallen lässt (Höhe Eiffelturm 324 m). Wenn Du Dich hingegen selbst an dessen Spitze begibst, bist Du vermutlich nass geschwitzt, aber Du hast Dir eine Lageenergie von gerade einmal 0,07 kWh erarbeitet (bei 80kg Körpermasse). Doch schon diese Energie ist natürlich absolut tödlich, wenn Du dich entscheiden solltest, Deinem Leben aus dieser Höhe ein Ende zu setzen.
  • Als Radfahrer (100 kg) müsste man mit der utopischen Geschwindigkeit von 680 km/h unterwegs sein, um eine kWh Energie in Form von kinetischer Energie inne zu haben.
  • Eine Glühbirne (100W) kann mit einer kWh zehn Stunden lang leuchten. Eine entsprechende LED Energiesparlampe (15W), kommt mit der gleichen Menge Energie 66 Stunden lang aus.
  • Mit einer kWh kommt man als Autofahrer 1,9 km weit (bei einem Verbrauch von 6l Benzin auf 100 km).
  • Mit einer kWh kommt man als Autofahrer 5,0 km weit (bei einem Elektroauto und einem Verbrauch von 20 kWh auf 100 km).
  • Eine kWh ermöglicht es, 10 Liter Wasser zum kochen zu bringen (ziemlich viel Kaffee also!).
  • Mit einer kWh kannst Du Dein Essen in der Mikrowelle bei voller Leistung (800 W) 75 Minuten lang erhitzen, sprich Kohle daraus machen…

Was kostet eine kWh?

Das hängt stark davon ab, in welcher Form man die Energie kauft:

  • Benzin kostet etwa 1,30 EUR pro Liter. Ein Liter speichert etwa 9 kWh chemische Energie, also kostet die kWh etwa 0,14 EUR.
  • In Form von Heizöl kostet eine kWh 0,06 EUR, da der Brennwert 10,7 kWh pro Liter beträgt (Preis 0,60 EUR pro Liter).
  • Bei Erdgas kostet die kWh derzeit ebenfalls um die 6 ct pro kWh, also 0,06 EUR / kWh.
  • In Form von Strom kostet eine kWh etwa 0,27 EUR für Privatkunden und etwa 0,20 EUR für gewerbliche Kunden. Es fällt sofort auf, dass einfach so mit Strom zu heizen finanziell auf Dauer keine besonders attraktive Alternative darstellt, da Gas und Heizöl wesentlich günstiger sind.
  • 1 kg Weizenmehl kostet im Supermarkt 0,35 EUR und hat einen Brennwert von 3,9 kWh. Eine kWh kostet damit 0,09 EUR.
  • 1 kg Zucker kostet im Supermarkt 0,65 EUR und hat einen Brennwert von 4,5 kWh, also kostet die kWh 0,14 EUR.
  • Ein Liter Rapsöl kostet 0,99 EUR und hat einen Brennwert von 10,3 kWh. Eine kWh kostet also 0,09 EUR.
  • Betrachtet man nicht-körperliche Arbeit vom Menschen (100 W Leistungsaufnahme), so muss dieser Mensch 10 Stunden lang arbeiten, um eine kWh gearbeitet zu haben. Bei einem Mindestlohn von 8,50 EUR pro Stunde ergibt sich also ein Preis von 85 EUR pro kWh!

Was gilt es sonst noch zu wissen?

So langsam haben wir ein besseres Gefühl, was eine kWh ist und was diese kostet. Es bleibt zu sagen, dass Energie nie vernichtet, sondern immer nur umgewandelt wird (Energieerhaltungssatz aus der Physik). D.h. wenn wir Strom verbrauchen entsteht stets Wärme. Wenn wir Auto fahren, wird der Motor erhitzt (Abwärme) und Bewegungsenergie erzeugt. Die Bewegungsenergie wird durch Bremsen bzw. Roll- und Luftwiderstand letztendlich ebenfalls in Wärme umgewandelt.

Wenn Du das nächste Mal Deine Stromrechnung in den Händen hälst, mach Dir klar, dass Du im Grunde für jede kWh ein Auto vom Eiffelturm hast fallen lassen.

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